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Kalziumversorgung

Bei sämtlichen Pflanzstoffanalysen der Orchideen war der Anteil von Kalzium in der Trockensubstanz stets mit  Abstand am höchsten. Folglich ist auch der Bedarf an Kalzium höher als an anderen Nährstoffen, wobei ein ungünstiges Kalzium-Kalium-Verhältnis (K2O/CaO) schädigende Auswirkungen hat und mindestens 1:1 z.B. bei Dendrobium bis weit über 2:1 bei Paphiopedillum betragen sollte (meine persönliche Meinung, die ich diverser Informationsquellen verdanke).

Welche Möglichkeiten die Pflanzen mit Kalzium zu versorgen gibt es?

Als erstes kommt natürlich kalkhaltiges Leitungswasser in den Sinn. Und wieder muss ich UweM. zitieren: „Ob das Calcium im Leitungswasser überhaupt für Pflanzen verwertbar ist, darüber "streiten" sich die Experten.“ Die Sache ist die: selbstverständlich sind Ca-Ionen für die Pflanzen verwertbar, nur ändert sich das gewaltig, sobald die Kohlensäure sich in Kohlenstoffdioxid und Wasser zersetzt und CO2 entweicht, und dies geschieht bekanntermaßen recht schnell. Wasserlöslichkeit vom kohlensauren Kalk beträgt lediglich 10mg/l, und die Konzentration im Leitungswasser beträgt das Vielfache davon, was durch die Zugabe von Kohlensäure ins Wasser ermöglicht wird, wobei dadurch das wasserlösliche Calciumhydrogencarbonat entsteht. Kohlensäure hat hohen Dampfdruck, der allerdings niedriger als Druck in der Wasserleitung ist, darum bleibt die Kohlensäure im Wasser gelöst. Verläßt das Wasser die Leitung, sinkt der Druck auf 1013 hPa und somit wird das Wasser mit Kohlensäure übersättigt. Sie gast aus, indem aus H2CO3 CO2 und H2O werden. Während der Zersetzung der Kohlensäure bildet sich nicht etwa wieder Kalk, sondern Calcit Ca[CO3] in Form von Kesselstein, welcher der Boden versaut und die Wurzel mit einer steinartiger Kruste belegt. Offensichtlich ist das Leitungswasser nicht als Gießwasser verwendbar.

In der Landwirtschaft erhalten die Pflanzen Kalzium per Kalkgaben. Es ist auch durchaus möglich und sogar notwendig bei Orchideen, die den basischen Boden mögen, wie z.B. Frauenschuhe. Bei Aufgebundenen geht es aufgrund der schlechten Wasserlöslichkeit von Kalk nicht, auch bei Epiphyten nicht, die den sauren Boden bevorzugen.

Eine weitere, weitverbreitete Möglichkeit ist die Düngung mit Calciumnitrat. Flüssige Orchideendünger enthalten den Stoff aber nicht, weil er in der Stammlösung nicht mit Sulfaten und Phosphaten mischbar ist, also muss ein flüssiger calciumhaltiger Dünger mindestens zweiteilig sein. Es gibt zwar einen zweiteiligen Dünger, der ist aber aus anderem Grund zweiteilig, über die Zusammensetzung ist hier geschrieben. Also müsste man einen PK-betonten Dünger nehmen, wenn Calciumnitrat zusätzlich verabreicht wird. Wenn N ausschließlich per Calciumnitrat gegeben wird, dann dürfte die Menge an Kalzium den Epiphyten reichen, N/Ca-Verhältnis ist ca. 15/26. Ich bin allerdings der Meinung, die Epiphyten bevorzugen Stickstoff in Form von Ammonium (vollständiger Beitrag dazu folgt), und deshalb habe eine weitere wasserlösliche Variante entwickelt.

Noch eine interessante Möglichkeit ist die Lösung von Kalk in der Citronensäure, die ich neben den Calciumnitrat-Gaben regelmäßig bei allen Orchideen verwende. Die Citronensäure entweicht zwar dem Wasser auch, aber sehr, sehr langsam, die Pflanzen haben genug Zeit, um sowohl Kalzium als auch die Citronensäure zu verwerten, selbst Blattdüngung verursacht keine Kalkflecken. Getestet die Lösung habe ich nur Paar Monate lang, dafür habe ich mich nebenbei bereits in dieser kurzen Zeit von Wirksamkeit der Kalziumversorgung per Blattdüngung überzeugen können. Bei meinem Paphiopedillum Mingo x henrianum mangelte es offensichtlich an Kalzium, denn die Blätter waren während meiner zweichwöchigen Abwesenheit weich geworden und ein Blatt war sogar in der Mitte seitlich geknickt. Kalziumgaben erfolgten ausschließlich per Blatt durch tägliche Besprühungen mit der unten beschriebenen Lösung. Das geknickte Blatt wurde gestützt. Nach weniger als zwei Wochen konnte es sich selbst aufrechthalten. Heute sind alle Blätter steif wie Knochen, allerdings gebe ich wieder Kalk in den Boden.

Stammlösung ist mir nicht gelungen, wem eine gelingt, dem wäre ich dankbar, wenn mir die Vorgehensweise verraten wird. So wird die Lösung hergestellt: man nehme 1g Kalk und gebe 1ml 40%-er Citronensäure (50g Citronensäure in Pulverform, erhältlich z.B. bei dm, plus 100ml Wasser ergeben 125ml 40%-er Säure) dazu. Sobald das Zischen aufhört, verdoppelt man ein Paar Mal die Flüssigkeitsmenge, indem man erst 1ml Wasser, dann 4, dann 8, 16ml Wasser nachkippt und jedesmal ordentlich rührt. Konzentration der Säure darf nicht abrupt verringert werden, sonst wird Kalzium nicht im Wasser gelöst, nur die Säure. Zum Schluß wird die Lösung in 1l Wasser gekippt, und wieder gut  rühren. Dabei entsteht eine Suspension, man sollte die Partikel sich absetzen lassen, was ein Paar Tage dauert. Wenn alles richtig gemacht wurde, ist pH-Wert der Lösung höher als 8 und soll insbesondere für Epiphyten per weitere Säuregaben verringert werden.

Kalziumgehalt der Lösung ist von der verwendeten Kalk-Art abhängig, ich habe Hüttenkalk, Nordweiss-Perle und Dolomitkalk verglichen. Bei Säurepufferkapazitäten lagen alle drei ungefähr gleichauf, ein bißchen höher bei Hüttenkak, die kleinste bei Dolomit, aber die Unterschiede bei pH-Änderung sind im Zehntelbereich. Vielmehr sollte man die Unterschiede bei der Zusammensetzung suchen.

Hüttenkalk, den ich habe, besteht laut Aufkleber zu 50% aus Calciumsilikat. Der Hersteller erzählt noch von Magnesiumsilikat und Spurenelementen; ein Teil soll wasserlöslich sein, u.a. sei 12%  wasserlösliche Kieselsäure enthalten. Wasserlöslich ist hier gar nichts, nach dem Rühren entsteht eine Suspension, die Teilchen setzen sich aber nach kurzer Zeit ab. Selbst wenn man so mehrmals am Tag monatelang rührt, bleibt die Leitfähigkeit des Wassers nach dem Absetzen der suspendierten Teilchen unverändert. Nach der Auflösung in der Citronensäure wurden folgende gelösten Inhalte gemessen, jeweils 1g Hüttenkalk/1l Wasser:

CaO - 158mg, (0,5g => 84mg, meine Waage zeigt aber in 0,05 Schritten an)

MgO - 6mg

Ich habe festgestellt, dass mein SiO2-Test  bei einer Citronensäurelösung nicht anwendbar ist, bedauerlicherweise kann ich dazu nichts berichten. Rein rechnerisch und unter der Annahme, dass nur Calciumsilikat gelöst wurde, soll die 1g/1l Lösung ca. 170-180mg SiO2 enthalten. Dabei würden 10mg/l vollkommen ausreichen, deshalb sehe ich die Belastung des Gießwassers durch Silikate als überflüssig. Leitwert des Wassers hat sich um 330 µS/cm erhöht. Alleine schon aus diesem Grund ist Hüttenkalk nur in der Konzentration <1/15 g/l zu empfehlen. Verwendung des Hüttenkalks als Siliziumspender ist durchaus sinnvoll, Pflanzen brauchen Silizium für die Festigkeit. Allerdings gibt es auch Bedenken: seinen Ursprung hat der Hüttenkalk in der Schlacke, einem Abfallprodukt der Metallerzeugung, in dem sich alles mögliche finden kann, auch Giftstoffe.

Nordweiss-Perle soll 80% Calciumcarbonat und 5℅ Magnesiumcarbonat beinhalten. In Citronensäure gelöst und gemessen 168mg CaO pro 1g/1l Wasser. MgO habe ich nicht gemessen, ist eh zu wenig. Leitwerterhöhung gut 200 µS/cm.

Dolomitkalk: in Citronensäure gelöst und gemessen pro 1g/1l Wasser:

CaO - 135mg,

MgO - 25mg,

und dabei waren die Rückstände am größten. Leitwerterhöhung ca. 170 µS/cm.

9.10.16 01:05

Letzte Einträge: Spurenelementversorgung

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